Wie und wann ist die Korbacher Spalte entstanden?
Korbach in der Zechstein Zeit
Als Zechstein wird der jüngere Teil der Permzeit vor 290 – 245 Millionen Jahren bezeichnet. Die Landschaft in weiten Teilen Mitteleuropas war damals von einem Meer überflutet. Dieses besaß im Süden, im Bereich der Hessischen Senke eine weite Bucht, die sich etwa zwischen Frankfurt und Nürnberg nach Süden bis in den Raum von Karlsruhe erstreckte. An der stark gegliederten Westküste dieser Bucht befand sich bei Korbach ein schmaler Meeresarm. Durch mehrfache Schwankungen des Meeresspiegels wurden im Wechsel Kalksteine (Ablagerungen des Meeres) und Festlandssedimente abgelagert.
Im Raum Korbach sind drei Vorstöße des Zechsteinmeeres dokumentiert. Die Kalksteine des Zechstein 1, der Werra-Folge, bilden das Umgebungsgestein der Korbacher Spalte. Es ist aus einem der Küste vorgelagerten Wall aus Kalksand entstanden. Die weiteren Kalksteine in der Korbacher Bucht sind der Hauptdolomit (Zechstein 2, Staßfurt-Folge) und der Plattendolomit (Zechstein 3, Leine-Folge).
In der oberen Permzeit waren alle heutigen Kontinente zu dem Superkontinent Pangäa vereint. Das heutige Mitteleuropa, und somit auch Korbach, befand sich nur etwa 15° nördlich des Äquators, und somit wesentlich weiter südlich als heute. Da das globale Klima im Oberperm wahrscheinlich mit der heutigen Klimaverteilung vergleichbar war, dürften in Mitteleuropa damals semiaride bis aride Klimabedingungen (wie heute in Zentral-Afrika) geherrscht haben. Das Klima war heiß und trocken. Vermutlich gab es seltene Regenzeiten. In den Zeiten zwischen den Meeresvorstößen war die Landschaft um Korbach von einer weiten, wüstenartigen Küstenebene geprägt, die im Westen am Eisenberg vom "Rheinischen Schiefergebirge" begrenzt wurde und nach Osten in das niedriger liegende, in Eindampfung begriffene Zechsteinmeer überging. Diese wenige Wasserstellen aufweisende und nur mit spärlicher Vegetation bewachsene Küstenebene bildete den Lebensraum der fossil überlieferten Tiere.
Die Entstehung der Korbacher Spalte
Die
Abbildungen sind entnommen und teilweise verändert aus:
BÖKENSCHMIDT,
S. (2003): Die Korbacher Spalte -Entstehung und Geschichte einer
Fossillagerstätte.-
Geschichtsblätter für Waldeck 91, 30 - 42; Bad Arolsen.
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A: Nach dem Rückzug des Zechstein 1 Meeres bildete das Randkarbonat die Landoberfläche.
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Nachdem sich das Zechstein 1- Meer aus der Korbacher Bucht zurückgezogen hatte, bildeten die in ihm entstandenen Kalkgesteine des Randkarbonates die Landoberfläche. Dieses Gestein ist heute das Umgebungsgestein der Korbacher Spalte. |
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B: Verwitterung und festländische Sedimentation prägten den Lebensraum der Reptilien.
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Auf der Kalkstein Landoberfläche bildete sich in wüstenartigem Klima durch Verwitterung und Ablagerung feinkörniger Sedimente eine wüstenartige Landschaft. Diese bildete den Lebensraum der in der Spalte aufgefundene Reptilienfauna. |
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C: Die Korbacher Spalte öffnete sich.
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Durch
ein mechanisches Ereignis, möglicherweise ein Erdbeben,
öffnete sich an der Erdoberfläche eine Spalte. Da das Gestein
am nördlichen Spaltenrand gegenüber dem am südlichen
Spaltenrand verstellt ist, muss es sich bei der Öffnung der
Spalte um ein mechanisches Ereignis gehandelt haben. |
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D: Sediment und Knochenreste aus der Umgebung wurden in die Spalte eingefüllt.
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Aus der näheren Umgebung wurde feines Sedimentmaterial mit den darin enthaltenen Knochenresten verendeter und zerfallener Tiere in die Spalte eingelagert. Dies geschah wahrscheinlich bei Starkregenereignissen, wie z.B. Regenzeiten. |
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E: Die Spalte wurde vom Oberen Werra-Ton (Zechstein 1) und jüngeren Sedimenten des Zechsteins und der Trias überdeckt.
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Die
Landoberfläche wurde inklusive der Spalte von den im Raum Korbach
über dem Randkarbonat folgenden Oberen Werra-Ton
zugedeckt. Damit war die Entstehung der Korbacher Spalte bereits
abgeschlossen. |
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F: Das Profil im Steinbruch Korbacher Spalte wurde bis auf das heutige Niveau abgetragen.
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Seit den Eiszeiten wurden die Gesteine jedoch im Bereich der Korbacher Spalte bis auf den tieferen Teil des Randkarbonates und die darin enthaltene Spaltenfüllung unwiederbringlich abgetragen. Eine genaue Datierung des Entstehungszeitraumes der Korbacher Spalte ist somit in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht mehr möglich. |
Der Schlüssel zur Altersdatierung der Korbacher Spalte!
Bei Vöhl-Dorfitter entdeckten die Geologen Dr. Heiner Heggemann (HLUG) und Sven Bökenschmidt ein Straßenprofil, welches die Altersdatierung der Korbacher Spalte ermöglicht. Dort befinden sich im Randkarbonat bis zu 20 cm breite Spalten, die mit dem selben gelben Gestein wie die Korbacher Spalte gefüllt sind. Es enthält feine Splitter von Wirbeltierknochen. Diese max. 2 mm großen Knochenfragmente wurden in Zusammenarbeit mit Dr. Andreas Braun (Universität Bonn) mikroskopisch untersucht. Die Erhaltung der Knochen und der in Ihnen erhaltenen Mikrostrukturen stimmen mit denen aus Vergleichsmaterial aus der Korbacher Spalte überein. Die Spalten bei Dorfitter sind somit genau so alt wie die Korbacher Spalte.

Foto: S. Bökenschmidt
Das Profil bei Dorfitter befindet sich ca. 2 km
südlich der Korbacher Spalte.
Bei Dorfitter werden Randkarbonat und Spalten von einem ca. 40 cm mächtigen Horizont aus gelbem Gestein und dem darüber folgenden Oberen Werra-Ton überdeckt. Das Sediment des gelben Horizontes gleicht in Aussehen und Zusammensetzung den Füllungen der Spalten in Korbach und Dorfitter.
In Dorfitter wurdenerstmalig die Schichten, welche die Korbacher Spalte einmal abdeckten und auch jener gelbe Horizont nachgewiesen, der die Sedimentfüllung der Korbacher Spalte und die ehemalige Landoberfläche bildete,auf der die vorgefundene Reptilienfauna lebte. (Bökenschmidt et al., 1999)
Blockbild E entspricht der heutigen Situation bei Dorfitter und Blockbild F der heutigen Situation im Steinbruch Korbacher Spalte. Die Datierung der Korbacher Spalte ist somit nur in Verbindung mit dem Profil bei Dorfitter möglich.